Gewaltfreie Kommunikation – Teil I

von Marschall B. Rosenberg

Vorwort

Die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) ist eine Form der Kommunikation, die uns hilft bewusst und respektvoll mit unserem Gegenüber zu kommunizieren ohne dabei ihn anzugreifen. Unser Gesprächspartner bekommt keinen Grund seine Schutzschilder hochzufahren und uns anzugreifen. Es schafft eine Win-Win-Situation, wo die Bedürfnisse beider Parteien berücksichtigt und geschätzt werden. Die GFK wird seit vielen Jahren in vielen Bereichen erfolgreich eingesetzt – zwischen Lebenspartnern bis hin zwischen Regierungen.

Unsere Kunden sollten schon in unserer Kommunikation bemerken, dass wir ein Unternehmen sind, dass sich der Qualität verpflichtet hat. Eine kontinuierliche Verbesserung (Kaizen) unserer Kommunikation, verbessert nicht nur die Beziehung zu unseren Kunden, sondern auch untereinander.

Zwistigkeiten und Machtkämpfe in einem Unternehmen sind wie ein Krebsgeschwür – es führt oftmals zum Niedergang und Tod. Stellt euch wiederum ein Unternehmen vor, wo Mitarbeiter und Vorgesetzte einander verstehen und zusammenarbeiten – am gleichen Strang ziehen. Ein Unternehmen, das intern die gleiche Sprache spricht, kann alles erreichen, was es sich vorgenommen hat. Sie können den „Turm zu Babel“ fertig bauen und ihnen wird nichts unmöglich sein.

Die GFK kann der 1. Schritt in dieser Richtung sein.

 

Die 4 Komponente der GFK:

  1. Beobachtung
  2. Gefühle
  3. Bedürfnisse
  4. Bitten

Das Beobachten ohne Bewertung

In dieser Komponente oder Phase des Beobachtens geht es darum offen zu sein und in Empfangsbereitschaft. Es wird nicht reagiert, sondern der Fokus ist ganz auf alle Sinneskanäle gerichtet und man stellt sich innerlich auf Empfang ein. In dieser Phase wird nicht gewertet. Die Kommunikation beschränkt sich in dieser Phase auf das Beschreiben was man mit seinen Sinnen wahrnimmt. Wir können aber unserem Gegenüber auch die Gefühle mitteilen, die die Beobachtung bei uns auslöst ohne dabei zu bewerten oder zu verurteilen. Mehr dazu in der nächsten Komponente bzw. Phase.

Die Gefühle

Alles was wir mit unsren Sinne wahrnehmen wird von unserem Gehirn verarbeitet. Ein Großteil dieser Prozesse laufen ganz im Hintergrund ab – wir nehmen es nicht bewusst wahr. Das Ergebnis dieser Analyse und die ausgelösten Gedankenstrategien lösen bestimmte Gefühle in uns aus. Wichtig ist in dieser Phase diese auftauchenden Gefühle nicht zu ignorieren oder zu unterdrücken, sondern auszudrücken. Dabei beantworten wir die Fragen: „Wie fühle ich mich während ich diese Situation wahrnehme?“. Unser Gegenüber wird noch nicht be- oder verurteilt.

In der GFK ist man umso erfolgreicher, je besser man über sich selber reflektieren kann und sich der eigenen Strategien bewusst ist. Darauf basierend und in Verbindung mit unseren Werten und Glauben, werden die inneren und äußeren Impulse verarbeitet. Wir nehmen es dann als ein Körperbefinden bzw. als Gefühle war. Werden unsere Werte und Glaubenssätze verletzt, verspüren wir ein negatives Befinden. Werden sie hingegen verstärkt, wird ein Wohlbefinden ausgelöst.

Die Bedürfnisse

Jeder von uns hat Bedürfnisse. Es gibt die Körperlichen Grundbedürfnisse, die wir Menschen alle haben, nur die Ausprägung ist unterschiedlich. Darüber gibt es noch Bedürfnisse nach Sicherheit, Liebe und Geborgenheit, Wertschätzung, Wissen, Ästhetik und Selbstverwirklichung und Transzendenz. Diese Aufzählung von Bedürfnisse basiert auf die Forschung von Abraham Maslow.

 

Das Bitten

Es ist wichtig nicht nur die eigenen Bedürfnisse zu kennen, sondern sie auch auf adäquate Weise auszudrücken und zu kommunizieren. Unterdrückte Bedürfnisse manifestieren sich meist auf anderer Weise – auf einer „perversen“ Art. Wichtig bei der Kommunikation der Bedürfnisse ist die richtige Formulierung – es darf keine Forderung gestellt werden.

Bei der GFK sollten immer alle 4 Komponenten angewendet werden. Wenn nur eine fehlt, kann das fatale Folgen für die Kommunikation haben.

 

Vorurteile

Um etwas schneller zu erledigen, verwenden wir oft in der IT Konfigurationen. Müssten wir bei jedem Neustart eines Computers, diesen wieder neu konfigurieren, würde wir bald darauf verzichten. Genauso verwendet unser Supercomputer – unser Gehirn Vorkonfigurationen. Diese helfen uns schnell Entscheidungen zu treffen und unser Leben flüssiger zu gestalten. Doch diese Vorkonfigurationen bzw. Vorurteile sind nicht immer optimal für eine gute Kommunikation. Deswegen ist es auch hier von großem Vorteil flexibel zu bleiben und es nicht in Stein zu meißeln. Wer in der Kommunikation die meiste Flexibilität hat, bestimmt den Weg.

 

Subjektive Annahmen

Als Menschen neigen wir oft dazu unser Verhalten positiv zu rechtfertigen und dem Nächsten, beim selben Verhalten, Bösartigkeit oder Schwäche zu unterstellen.

Beispiele:

Liebe und Zärtlichkeit:

Wenn mein Partner Liebe und Zärtlichkeit braucht, ist er/sie bedürftig und abhängig. Brauche ich Liebe und Zärtlichkeit und bekomme sie nicht, dann ist mein Partner kalt und unsensibel.

Ordnung und Detailtreue:

Braucht der Kollege eine sehr detaillierte Projektplanung, ist er pingelig und krankhaft genau. Bin ich auf Details fokussiert und der Kollege liefert nicht was ich brauche, dann ist er schlampig und schlecht organisiert.

Verspätung:

Bin ich spät in der Arbeit, dann habe ich alles getan, um pünktlich zu sein und der Verkehr war schuld. Ist mein Kollege spät, dann hat er wohl am Vortag zu viel getrunken.

Eifersucht:

Bin ich eifersüchtig, dann bin ich fürsorglich und will beschützen. Ist mein Partner eifersüchtig, dann ist er/sie unsicher und hat Minderwertigkeitsgefühle.

 

Vergleiche

Laut Dan Greenberg ist die beste Methode wie man sich mies fühlen will, der Vergleich mit anderen Menschen. Je mehr wir uns mit anderen Vergleichen, desto mehr lernen wir uns schlecht zu fühlen.

Übung I:

Nimm Bilder von Personen, die die derzeitigen Körperideale verkörpern und vergleiche deinen Körper mit ihnen. Gehe dabei in die Details.

Übung II:

Vergleiche dich mit Personen wie Mozart, Einstein und andere erfolgreiche Menschen. Was hast du im Leben erreicht?

Vergleiche können genauso Vorurteile sein – Vorurteile uns oder anderen gegenüber. Sie nehmen dem Menschen und dem Leben seine Einzigartigkeit weg.

 

Wahlmöglichkeiten und Verantwortung

Viele Menschen gehen zu einem Lebensberater oder Coach, weil sie sich eingesperrt fühlen und keinen Ausweg mehr sehen. Einer der häufigsten Tätigkeiten des Lebensberaters oder Coach ist dann diesen Menschen neue Türen/Möglichkeiten aufzuzeigen und neue Perspektiven zu eröffnen. Als Menschen brauchen wir die Wahlmöglichkeit. Haben wir keine mehr, dann fühlen wir uns wie ein Tier, das in einer Ecke gedrängt wurde. Dadurch wird dieser Mensch gefährlich, weil er tut dann alles, weil er es musst. Die Geschichte ist voll von diesen Beispielen, wo Menschen anderen Menschen geschadet oder sogar umgebracht haben, weil es ihnen befohlen wurde und sie keine andere Wahl hatten. Der Mensch braucht Wahlmöglichkeiten. Doch aus dem Marketing wissen wir, dass zu viele Wahlmöglichkeiten uns auch lähmt. Laut Untersuchungen sollten es höchstens 2-3 Möglichkeiten geben. Damit wird der Mensch nicht überfordert.

„Ich musste das tun, mein Vorgesetzter hat es mir befohlen.“, „Es wurde uns von Oben befohlen.“, „Das ist nun mal das Gesetz.“, „Ich trinke, weil ich Probleme habe.“ usw. Jedem fehlt sicher noch andere Beispiele ein.

Wie werden wir Menschen mit Wahlmöglichkeiten?

Wenn wir uns entschließen die Verantwortung für unser Denken, Fühlen und Verhalten zu übernehmen, dann werden wir bald erkennen, dass wir immer Wahlmöglichkeiten haben. Außerdem sollten wir auch an unserer Kommunikationssprache arbeiten. Es sollte eine Sprache sein, die Wahlmöglichkeiten unterstützt.

Doch Menschen mit Wahlmöglichkeiten sind auch sehr gefährlich. Gefährlich für Regierungen und Vorgesetzte, die Angst haben ihre Macht und Kontrolle über uns zu verlieren.

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